Die Heiliggeistkirche von innen: Der Westbau

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Das Innere des Westbaus

Aufgrund seiner massiven Eckpfeiler wirkt der Westbau vom Inneren aus wie ein eigenständiger, vom Langhaus getrennter Baukörper.

Heidelberg - Heiliggeistkirche - Nordempore - Blick vom Nordosten der Südempore auf die Nordempore und in das Nordschiff (aufgenommen im Juni 2015, am Nachmittag)

Blick vom Nordosten der Südempore auf die Nordempore und in das Nordschiff

Seine Seitenteile sind durch den Einbau zweier Emporen dreigeschossig unterteilt, der obere Raum im Nordteil soll früher angeblich als beheizbarer Arbeitsraum der Bibliothek gedient haben.

Heidelberg - Heiliggeistkirche - Mittelschiff - Blick vom Triumphbogen nach Westen in das Schiff und auf die Westempore (aufgenommen im Mai 2014, am Vormittag)

Blick vom Triumphbogen nach Westen in das Schiff und auf die Westempore

Eine Ergänzung des 18./19. Jahrhunderts stellt die frühere Orgelempore im Turmjoch dar.

 

Von großer Bedeutung für das Verständnis der Planungsgeschichte des Langhauses sind die hier zu beobachtenden Baubefunde. Betrachtet man den hohen Bogen zwischen südlichem Westbau und südlichem Seitenschiff wird deutlich, dass die Auflager für die unteren Gewölbe des Westbaus aus den Pfeilern herausgebrochen wurden. Besonders gut lässt sich die nachträgliche Einbringung der Gewölbe an der linken Seite (südöstlicher Pfeiler des südlichen Westbaus) nachvollziehen. Der Pfeiler ist hier mit einem Profil versehen, das vom oberen Gewölbe überschnitten wird.

Dass der Bogen ursprünglich ununterbrochen (durch den Emporenboden) nach oben hinaufreichte, belegt eine Schnittzeichnung des Westbaus im Planarchiv der Badischen Landeskirche in Karlsruhe von 1954 anhand derer die vertikale Fortsetzung der Bogenlaibungen zu erkennen ist.

Ganz ähnliche Beobachtungen lassen sich am nördlichen Joch des Westbaus machen. Auch hier besitzen die Pfeiler auf der Höhe der obersten Empore noch ihr altes Doppelkehlenprofil und die Anfänger der unteren Gewölbe einschließlich der Kappen verschneiden unschön mit den Pfeilern. Aufgrund dieser Befunde ist eindeutig zu folgern, dass der Westbau zunächst als Hallenanlage konzipiert gewesen ist und die Emporen erst nachträglich eingefügt wurden.

Ein in der bisherigen Literatur bislang unterschlagener wichtiger Hinweis auf die späte Entstehungszeit der Außenwände bzw. Gewölbe des Westbaus bietet die Inschrift mit dem Datum 1517 an der westlichen Fensterlaibung am Fenster der obersten Empore im Südteil des Westbaus.

Neben den Schlusssteinen sind auch die Gewölbeanfänger, soweit sie nicht einfach mit den Eckpfeilern verschneiden, alternierend ausgeformt. So ruhen beispielsweise die östlichen Gewölbeanfänger in den Seitentrakten des Westbaus im Obergeschoss auf dünnen dienst­ähnlichen Rundsäulen, während die Gewölbeansätze der gegenüberliegenden Westseite auf einer polygonalen Konsole bzw. Wappensteinen aufliegen.

Autor: Julian Hanschke